Die häufigste Antwort auf diese Frage ist eine einfache Formel

Aktienquote in % = 100 – Lebensalter

Ein 30-jähriger sollte demnach 70% seiner Anlagen in Aktien investiert haben, ein 65-jähriger nur noch 35%. Interessant ist, dass aktuell bei Zinssätzen um 0% erste Stimmen laut werden, dass diese Quote vielleicht doch zu niedrig sei. Das ist aus meiner Sicht ein Schritt in die richtige Richtung, ändert aber nichts daran, dass diese Formel von vermutlich Produktgebern initiiert worden ist, deren Interesse nicht mit dem der Anleger übereinstimmt.

Lebenszyklus-Fonds basieren auf der Annahme, dass Gelder umso risikobehafteter und mit mehr Renditechancen angelegt werden können, je weiter der Zeitpunkt des Fondsablaufs noch in der Ferne liegt. Dies ist also im Prinzip nichts anderes als die Anwendung der Formel vom Anfang, sie nehmen bloß dem Anwender auch noch die Arbeit des Umschichtens ab. Andere Modelle wie beispielsweise die dynamische Portfolio-Absicherungsstrategie bilden Anlagestrategien mit verschiedenen Aktienanteilen ab, bei denen immer im Einzelfall zu prüfen ist, ob diese im Einklang mit den Wünschen des Anlegers stehen.

Aus diesem Grund ist spätestens jetzt der Zeitpunkt für jeden Anleger, grundsätzlich und nur für sich selbst zu entscheiden, wie hoch die Aktienquote sein sollte. Bei dieser Betrachtung spielt sein Alter auf jeden Fall eine entscheidende Rolle, es beeinflusst nur nicht direkt die Aktienquote. Vielmehr gilt es die vorhandene Aktienquoten und deren Vermögenswert ins Verhältnis zu den notwendigen Entnahmen der Zukunft zu setzen und nach einer Einschätzung des Risikos zu handeln.

Nachdem ein neues Hoch von über 22 Jahren bei der Rentenbezugszeit erreicht wurde, muss zunächst geklärt werden, um welche Zeiträume der Geldanlage es konkret geht. Für einen 37-jährigen angestellten Mann, der regelkonform mit 67 Jahren in Ruhestand gehen möchte, wird dieser Ruhestand eventuell auch 30 Jahre andauern. Unter der Annahme, dass alle angesparten Gelder im Ruhestand wieder entspart werden, werden zunächst 30 Jahre lang Sparbeiträge investiert, bevor diese 30 Jahre lang wieder entspart werden.

Jeder Anteil ist daher genau 30 Jahre angelegt und die willkürliche Grenze, zum 67. Lebensjahr das Risiko zu reduzieren macht ziemlich wenig Sinn. Natürlich muss ein Teil zu diesem Zeitpunkt und in den nächsten 5 Jahren wieder ausgezahlt werden, aber dies sind eben nur 1/6 oder 16,7% der Anlage. Der größere Teil in Höhe von 83,3% könnte noch mindestens 5 weitere Jahre investiert bleiben, 16,7% von allem sogar noch 25 Jahre.

Insofern wäre meine Empfehlung der optimalen Anlagequote in diesem Fall >90%, um über den Zeitraum von 30 Jahren bestmöglich von der besseren Rendite von Aktien profitieren zu können. Von dieser Quote sollte nur in den Fällen abgewichen werden, wenn Teile des angelegten Geldes früher benötigt werden, der Anlagezeitraum also unter 30 Jahre sinkt. Je deutlicher dies der Fall ist und je größer der Teil des angelegten Geldes ist, auf den dies zutrifft, umso niedriger könnte die Aktienquote sein.

Allerdings sind die Auswirkungen weniger dramatisch, als es den Anschein erweckt. Ein 52-jähriger Mann mit 15 Jahren bis zur Rente und einer Rentenbezugszeit von 25 Jahren hat bei einer Gesamtdauer von 40 Jahren immer noch einen Großteil des Geldes sehr lange angelegt. Die ersten Sparraten müssen zwar in 15 Jahren wieder ausgezahlt werden, die letzten jedoch erst 25 Jahre später. Bei einer durchschnittlichen Anlagedauer von 20 Jahren ist damit schon fast der Zeitraum erreicht, bei dem Aktien für ein Aktieninvestment keine Verluste mehr zu erwarten sind.

Aus neutraler Sicht kann daher selbst in diesem Fall die Aktienquote sehr hoch sein, im Wesentlichen wird diese letztlich von der Risikobereitschaft des Anlegers abhängen. Dieses wiederum wird vom Vermögen des Anlegers insgesamt beeinflusst, denn wer den letzten Euro braucht um den Lebensstandard zu halten ist in einer anderen Situation als jemand, der noch 100.000 € oder mehr als Notgroschen auf dem Konto liegen hat.

Als Fazit lässt sich jedoch sagen: Die Aktienquote sollte nicht vom Lebensalter abhängen, sondern von der Anlagedauer. Für unter 10 Jahre ist 0% völlig angemessen, für 30 Jahre >90% ok. Der DAX war in der Vergangenheit niemals nach 23 Jahren im Minus, aber ob Dir das ausreicht oder was daraus für Deine Aktienquote folgt, bleibt Dir überlassen. Denn was ist der Unterschied zwischen -0,1% und +0,1% und warum wollen Leute partout keinen Verlust. Im Durchschnitt erzielten Aktieninvestments jedes Jahr gut 5% Rendite und ich habe einfach 100% Aktienquote und hoffe, dass ich zur Kategorie gehöre, bei denen der Notgroschen ausreichend groß ist.

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