Betrachten wir den Fall, dass ein Kunde auf einen Anlageberater zugeht, weil er einen gewissen Geldbetrag langfristig anlegen möchte. In diesem Fall sollte die Empfehlung nicht allzu schwer sein, weil alles auf Aktien hindeutet. An dieser Stelle kommt aber nun die Risikoneigung des Anlegers ins Spiel, weil der Aktienmarkt eben keine Einbahnstraße mit immer nur steigenden Kursen ist. Der Berater muss für sich selbst also entscheiden, in welchen Konstellationen welche Reaktion des Anlegers zu erwarten wäre.

Das Problem ist, es gibt keine per se überlegene Lösung. Es gibt nur Wahrscheinlichkeiten und mit diesen Wahrscheinlichkeiten muss umgegangen werden. Eine Investition in den Aktienmarkt ergibt im Durchschnitt über eine längere Dauer eine Rendite von x%, aber was sagt dies wirklich aus. Dadurch ist kein Rückschluss aus ein konkretes Investment zum heutigen Tag und dessen Rendite in der Zukunft zu ziehen. Der Berater muss also konkreter werden, aber das macht die Sache nicht einfacher.

Er nimmt den konkreten Anlagehorizont des Anlegers, beispielsweise 25 Jahre. Anschließend erfragt er die Vorstellungen zur Anlage, also wie breit diversifiziert, große oder kleine Unternehmen, Vorlieben für Branchen oder vieles mehr. Im Ergebnis muss er im Anschluss aber richtig viel rechnen, denn nun sollte er nach meiner Ansicht konkret berechnen, wie sich solch ein Investment in der Vergangenheit entwickelt hätte. Dabei reicht der Durchschnitt meines Erachtens ebenfalls bei weitem nicht aus, weil die besten und schlechtesten Ergebnisse, die Größe der Datengrundlage und vieles mehr ebenfalls wichtig sind.

Aber bereits eine recht einfache Zusammenstellung mit Anteilen von je 50% in Aktien und Renten stellt eine enormen Anforderung an die Datenverfügbarkeit und kann nur mit einer Software von einem Berater durchgeführt werden. Dann ist jedoch vielleicht noch das Ergebnis am Ende des Zeitraums visualisier- und erklärbar, aber wie sieht es mit möglichen Situationen vor diesem Zeitpunkt aus? Sollten sogar Zeitpunkte dazwischen, beispielsweise alle 5 Jahre oder sogar alle 2 Jahre, ebenso dargestellt werden, falls der Anleger zwischenzeitlich aussteigen möchte, weil sich seine Situation geändert hat?

Nach meiner Ansicht, wird dies alles nicht helfen. In manchen Situation wird es Anleger geben, die Enttäuscht sind und andere, bei denen es so lief wie erwartet oder sogar besser. Dies liegt schlicht an der Unvorhersehbarkeit der Zukunft, nicht unbedingt am Berater. Eine Beratung kann sicherlich beurteilt werden, aber nicht unbedingt vom Anleger selbst oder eventuell erst zu einem späteren Zeitpunkt. Dieses Dilemma kann der Berater ansprechen und versuchen abzumildern, aber vollständig verhindern wird er es nicht immer können.

Aus Sicht des Anlegers gibt es nur die Alternative, sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen und sich nicht vollständig auf den Berater zu verlassen. Dies ist mühsam, kostet Zeit und vielleicht sogar Geld. Aber es erspart ihm eventuell einige Enttäuschungen ein und vermutlich wird er langfristig sogar Geld sparen beziehungsweise mehr verdienen. Bis alle Anleger dieses Niveau haben brauchen die Berater bessere Software und Hilfen, wie die komplexen Inhalte besser vermittelt werden können.

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