An dieser Stelle möchte ich mich nicht damit auseinandersetzen, dass die Nutzung bestimmter Produkte oder Steuerschlupflöcher die Steuerbelastung senken, sondern welche Wirkung verschiedene Verhaltensweisen haben. Dabei geht es zum einen um steuerliche Fristen und zum anderen um Verschiebung der Steuerlast in die Zukunft. Der wesentliche Unterschied im Ergebnis bei Letzteren kommt durch die Tatsache zustande, dass es sich entweder um eine volle Besteuerung oder lediglich um eine Ertragsbesteuerung handelt.

Gibt es eine Frist, wie heute bei Immobilien oder früher bei Aktien, dann ist die steuerliche Wirkung leicht zu berechnen. Wer eine Immobilie länger als 10 Jahre besitzt kann diese steuerfrei verkaufen. Wer also ein Haus für 250.000 € gekauft hat und nach 9 oder 11 Jahren für 300.000 € mit einem Gewinn von 50.000 € verkauft, muss im ersten Fall den Gewinn versteuern und im zweiten Fall nicht. Welche Ausnahmen es gibt und wie Werbungskosten dennoch geltend gemacht werden, erklärt Dir jeder Steuerberater gerne, abgesehen davon ist der Unterschied klar. Liegt der Steuersatz bei 30% so werden Steuern in Höhe von 15.000 € fällig oder eben keine.

Bei der Verschiebung in die Zukunft und einer Vollbesteuerung sieht die Situation gänzlich anders aus. Bei einem Riester-Vertrag beispielsweise wird das zu versteuernde Einkommen um die Einzahlung gesenkt, Du sparst also die Steuer darauf. Dieses Geld vermehrt sich nun im Riester-Vertrag hoffentlich und wird irgendwann ausgezahlt. Zu diesem Zeitpunkt ist jedoch eine Steuer auf die komplette Auszahlung zu entrichten. Hier möchte ich den Altersentlastungsbetrag ignorieren, näheres beim Steuerberater Deiner Wahl, der langsam sinkt und für Renten ab dem Jahr 2040 dann tatsächlich 0% beträgt, beziehungsweise entfällt.

Ist der Steuersatz bei der Auszahlung der Rente genauso hoch wie bei der Einzahlung, so reduziert sich der steuerliche Vorteil leider auf 0 €, es verbleiben jedoch die Zuschüsse des Staates. Ein steuerlich sicheres Geschäft ist es damit für niemanden, weil die zukünftige Steuerbelastung nur schwer zu schätzen ist. In der besten Ausgangslage befinden sich jedoch Sparer, die aktuell den höchsten Steuersatz entrichten, weil deren Steuerbelastung nur steigen kann, wenn die Steuersätze steigen.

Unabhängig davon muss der aktuelle Grenzsteuersatz mit dem zukünftig geschätzten verglichen werden, um ein Gefühl für den steuerlichen Vorteil zu erhalten. Liegt der aktuelle Grenzsteuersatz bei 35% und der zukünftige bei Auszahlung der Riester-Rente nur bei 25%, so beträgt der Vorteil exakt 10%. Diese 10% wirken jedoch nur auf die Einzahlung, weil bei einer Versteuerung und Anlage die Erträge ebenfalls erst in der Zukunft zu versteuern wären. Die Rendite kann in diesem Fall daher einfach berechnet werden, in dem die Einzahlungen nur in Höhe von 90% der nominalen Beträge berücksichtigt werden.

Für jemanden mit einer jährlichen Einzahlung von 1.500 € und damit einem Steuervorteil von 150 € steigt dieser nominal zwar mit jedem Jahr linear an, bei der Rendite ist es jedoch umgekehrt. Beträgt die Rendite auf die Einzahlungen 6,00%, so steigt diese durch den Steuervorteil auf 7,86% nach 10 Jahren, nach 20 Jahren reduziert sich dies jedoch auf 6,90%. Der Rendite ist damit zwar immer noch rund 15% höher, aber eben keine rund 31% mehr. Für eine Rendite von 4% wären die besseren Renditen 5,88% beziehungsweise 4,92%, bei 10% entsprechend 11,84% und 10,86%.

Anders verhält es sich bei der Ertragsbesteuerung, welche beispielsweise bei Aktienerträgen angewendet wird. Investierst Du 10.000 € und erzielst eine Rendite von 6%, so ergibt dies nach einem Jahr 10.600 € und nach 2 Jahren 11.236 € vor Steuern. Nach 2 Jahren nach Abgeltungssteuer inklusive Solidaritätszuschlag ohne Kirchensteuer beträgt Dein Vermögen 10.910 €. Verkaufst Du dagegen nach einem Jahr alles und investierst erneut mit der gleichen Rendite, so beträgt Dein Vermögen nur 10.903 €. Du verlierst also 7 €, klingt nicht nach besonders viel.

Diese resultieren aus der Tatsache, dass die 10.600 € nach dem ersten Jahr Erträge in Höhe von 600 € enthalten, wofür 158 € Steuern zu zahlen wären. Diese musst Du zwar später in voller Höhe bezahlen, aber vorher erwirtschaften sie Dir eben wiederum 6% Rendite, welche Du bis auf die Steuern auf die höheren Erträge behalten darfst. 6% auf 158 € sind 9,50 € zusätzliche Erträge, worauf wiederum 2,50 € Steuern anfallen, aber eben auch gerundet 7 € oder 0,06% mehr übrig bleiben.

Nach 5 Jahren steigt dieser Betrag allerdings auf 77 € oder 0,62% an, weshalb eine grundsätzliche Vernachlässigung etwas voreilig ist. Nach 10 Jahren sind es bereits 357 € oder 2,30%, nach 20 Jahren 2.309 € oder 9,60% und nach 30 Jahren 7.866 € oder 21,46% mehr Vermögen. Dies auf die ursprüngliche Anlage von 10.000 € macht den Unterschied deutlich, entsprechen diese 7.866 € doch einem Mehrertrag von 78,66% auf diese Anlage. Ist Dein Zeithorizont sogar 50 Jahre, dann steigt der Vorteil auf 49.501 € oder 55,36%. Dein Endvermögen beträgt fast unglaublich 138.916 €, also 13,9 mal so viel wie ursprünglich.

Du siehst wieder einmal, der Zinseszins kommt erst auf wirklich lange Zeiträume wirklich zum Tragen. Auf dieser Basis macht das Verschieben der Ertragssteuern dann umso mehr Sinn, je länger der zur Verfügung stehende Zeitraum ist. Die Rendite steigt übrigens bei Steuerzahlung von 4,42% nach 5 Jahren auf nur unwesentlich auf 4,48% nach 50 Jahren an. Bei Aufschieben der Steuerzahlung jedoch steigt diese von 4,55% nach 5 Jahren auf 5,40% nach 50 Jahren. Sieht im Unterschied mit 0,92% absolutem Unterschied nicht nach viel aus, täuscht aber, wie weiter oben gesehen.

Wie schon im Titel ersichtlich funktioniert die Steueroptimierung bei der Geldanlage. Meine Schlussfolgerung ist, dass die Verschiebung der Ertragsbesteuerung der mit Abstand beste Hebel für den Aufbau von Vermögen ist. Daher Verschiebe ich die Vollbesteuerung nicht, beispielsweise von Einkommen, damit mehr Zeit für die Verschiebung der Ertragsbesteuerung vorhanden ist. Die Rendite darauf muss anschließend aber möglichst hoch sein, um bestmöglich zu profitieren.

Mir ist bis jetzt kein besserer Weg eingefallen, aber, wenn ich wie Warren Buffett 20% Rendite pro Jahr schaffe, dann werden selbst aus 10.000 € nach 50 Jahren sagenhafte knapp 67 Mio. €. Mit 10% Rendite leider nur knapp 857.000 €, wenn ich jedoch 12.000 € anlege ist die Million drin. Vielleicht sind 50 Jahre für mich ein wenig lang, um davon zu profitieren, aber für Kinder und Enkel ist es eine interessante Option. Wer bei Geburt anfängt hat ein tolles Geschenk zum 50. Geburtstag.

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