Immer wenn ich etwas über die Sparquote lese interessiert mich zuerst, wie der Autor diese Kennzahl definiert. Denn bereits dabei können die Unterschiede so groß sein, dass ein Vergleich ausschließlich dieser Zahl keine Aussagekraft mehr hat. Des Weiteren hängt die Sparquote durchaus mit dem Einkommen und der Lebenssituation zusammen, so dass die gleiche Höhe für verschiedene Menschen dennoch eine unterschiedliche Aussage haben kann.

Beginnen wir mit verschiedenen Definitionen. Eine Möglichkeit wäre die Sparquote ausschließlich auf das Bruttoeinkommen zu beziehen, wie dies zum Beispiel bei einem Riester-Vertrag mit der Kopplung der Zuschüsse an eine Sparleistung in Höhe von 4% geschieht. Eine andere Möglichkeit wäre der Bezug der Sparquote auf das Nettoeinkommen, also beispielsweise der oft zu lesende Rat, 10% des verfügbaren Einkommens für die Altersvorsorge zurückzulegen.

Schon hier wird der Unterschied jedoch deutlich, weil der Anteil des Nettoeinkommens im Verhältnis zum Bruttoeinkommen von verschiedenen Faktoren abhängt. Eine Familie mit 2 Kindern und durchschnittlichen Einkommen, bei dem ein Elternteil Vollzeit und das andere nur Teilzeit arbeitet, wird in der Regel einen höheren Anteil Bruttoeinkommens netto ausgezahlt bekommen, als ein lediger Gutverdiener. Dennoch folgt daraus nicht unbedingt, dass die Sparquoten unterschiedlich sind.

Wenn die Familie bei einem Bruttoeinkommen von 42.000 € ein Nettoeinkommen von 29.800 € erzielt, beträgt der Anteil fast 71%, beim Alleinstehenden mit 65.000 € Brutto und rund 36.250 € Netto ist dieser Anteil knapp 56%. Zu berücksichtigen ist hier generell, dass nicht der durchschnittliche Steuersatz relevant ist, sondern der Grenzsteuersatz, der für die letzten verdienten € anfällt.

Die Familie verzichtet bei einer Sparquote in Höhe von 10% des Bruttoeinkommens, also 4.200 €, auf 2.425 € oder gut 8,1% des Nettoeinkommens. Der Alleinstehende bei gleicher Bruttosparquote spart 6.500 €, er verzichtet jedoch auf circa 2.950 € oder auf knapp 8,2% des Nettoeinkommens. Für beide, sowohl die Familie als auch den Alleinverdiener, entsprechen die Sparquoten auf das Bruttoeinkommen von 10% also ungefähr Sparquoten auf das Nettoeinkommen von ungefähr 8,15%. Ob es beiden gleich schwer fällt, vermag ich nicht zu entscheiden.

Auf jeden Fall folgt daraus, dass die Sparquote in Bezug auf das Bruttoeinkommen höher ist also auf das Nettoeinkommen, und zwar ungefähr 20%. Was ist aber nun, wenn zusätzliche Einnahmen durch Aktiengewinne oder Dividendenausschüttungen dazukommen?

Mit Vermögen verliert die Sparquote an Bedeutung

Angenommen 5 Personen haben ein identisches Nettoeinkommen in Höhe von 30.000 €, nur 4 davon verfügen jedoch über ein Vermögen in Höhe von 100.000 €. Dieses ist 2 Fällen in Aktien angelegt, in einem Fall in Dividendenaktien und im anderen Fall in thesaurierenden Fonds, in einem Fall als Festgeld zu 2% und im letzten Fall in einer Eigentumswohnung mit einer Mietrendite von 3% vor Steuern.

Der Festgeld-Anleger bekommt einfach den Betrag von 2.000 € abzüglich Kapitalertragssteuern in Höhe von ungefähr 500 € auf sein Konto ausgezahlt, so dass er faktisch ein Einkommen von 1.500 € zusätzlich erhält. Setzen wir nun fest, dass die Rendite des Fonds 6% beträgt, so steigt das Vermögen in einem Jahr um 6.000 €. Die Vermögenssteigerung kann durchaus ebenfalls als zusätzliches Einkommen betrachtet werden.

Die Dividendenaktien können nun eine ebenso hohe Rendite ausweisen, jedoch sind davon 3% in der Kurssteigerung enthalten und weitere 3% werden als Dividende ausgeschüttet. Letztere muss versteuert werden, so dass nur ungefähr 2,25% auf dem Konto des Anlegers ankommen. Das Vermögen steigt damit zwar nur um 5,25% gegenüber dem Fondsanleger, jedoch müsste dieser ebenfalls Steuern bezahlen, wenn er Teile der Wertsteigerung beim Verkauf realisiert.

Die Frage, welche sich bei der Sparquote damit jedoch stellt, liegt damit auf der Hand: Welche Einkommen sind zu berücksichtigen und sind die Zahlen am Ende noch vergleichbar? Der Festgeld-Anleger bekommt eine Auszahlung und kann frei entscheiden, wie er mit dieser umgeht. Hier liegt die Vermutung nahe, dass es durchaus Einkommen ist, sein Einkommen also auf 31.500 € steigt. Im Gegenzug vernichtet die Inflation einen Teil des Vermögens, dieses soll an dieser Stelle jedoch nicht betrachtet werden.

Der Aktienanleger hat dieser Problem nicht, weil er zum einen eine Wertsteigerung der Aktien bekommt und damit sein Vermögen wächst, und zum anderen weil die Dividenden sein Einkommen auf 32.250 € erhöhen. Hier wird besonders deutlich, dass es eine Erhöhung des Einkommens ist, weil er selbst entscheiden kann, ob er diese wieder investiert und damit spart oder ausgibt. Der Fonds-Anleger dagegen erhält als einziger Anleger keine Auszahlung, sein Vermögen steigt jedoch am stärksten. Die Steigerung von 6% oder 6.000 €, würde ich dennoch als zusätzlich Sparrate ansehen.

Der Immobilienanleger wird den Wertzuwachs seiner Wohnung nur schlecht quantifizieren können, weil dieser eben erst wirklich feststeht, wenn die Wohnung wieder verkauft wird. 1% sehen zwar aktuell niedrig aus, aber im langjährigen Mittel ist der Wert sogar eher zu hoch. Die Mietrendite von 3% führt jedoch zu einem Einkommen von 3.000 €, auf welches er jedoch Einkommenssteuer zu bezahlen hat. Bei einem Steuersatz von 33% bleiben jedoch direkt 2.000 € als zusätzliches Nettoeinkommen übrig.

Nehme wir weiter an, dass jeder der 5 Personen eine Sparquote von 10% nur bezogen auf das Nettoeinkommen in Höhe von 30.000 € erzielt. Dies entspricht einem Betrag von 3.000 €. Bei dem Anleger ohne Vermögen ist dies die Sparquote, sein Vermögen ist anschließend 3.000 €. Bei dem Festgeld-Anleger hingegen ist die Sparquote eben 10%, die Rendite auf das Vermögen aber 1,5%. Alternativ ist das Einkommen 31.500 €, seine Sparquote aber entsprechend 14,3% und sein Vermögen vermehrt sich nicht.

Beim Immobilien-Anleger ist klar, dass die Mieteinnahmen zum Einkommen zählen, weil diese nur schwer über Instandhaltung in die Wohnung investiert werden können. Das zusätzlich Einkommen von 2.000 € erhöht das Einkommen auf 32.000 € führt zu einer Sparquote von gut 15,6%. Die Rendite auf das Vermögen entspricht der durchschnittlichen Wertsteigerung der Immobilie in Höhe von 1%, so dass der Wert der Wohnung auf 101.000 € steigt.

Der Aktien-Anleger verfügt über ein Vermögen nach Wertsteigerung in Höhe von 103.000 € und zusätzlich sind die Erträge der Aktien 75% seines Sparbeitrags. Damit ist bei einem Einkommen von 32.250 € seine Sparquote aus dem Einkommen nur noch rund 9,3%, in Wirklichkeit beträgt diese jedoch 16,2% und entspricht 5.250 €. Seine Vermögensrendite beträgt also 3%, immerhin doppelt so hoch wie die des Festgeld-Anlegers.

Der Fonds-Anleger dagegen könnte sogar Fondsanteile verkaufen, um auf den gleichen Betrag zu kommen, ihm reicht also sogar eine negative Sparquote, anders ausgedrückt darf er sein Vermögen verzehren. Seine Sparquote ist zwar nur 10%, dafür hat er jedoch eine Rendite auf das Vermögen von 6%. Allerdings sind in seinem Vermögen noch unversteuerte Buchgewinne in Höhe von ungefähr 1.500 € enthalten, doppelt so viel wie beim Aktien-Anleger.

Die Schlussfolgerung kann meiner Ansicht daher nur sein, dass die Sparquote keine geeignete Kennzahl für die Vermögensentwicklung ist. Sie gibt höchstens eine Orientierung, welcher Teil des Einkommens zum Leben benötigt wird. Ist die die Vermögensrendite 0% sagt diese jedoch nur aus, dass bei 50% Sparquote für jedes Jahr Arbeit eines frei genommen werden kann, bei 25% eben schon nur noch für 4 Jahre Arbeit eines oder bei 10% eines für 10 Jahre.

Ansonsten ist jedoch die Vermögensrendite die entscheidende Kennzahl. Allerdings ist zu unterscheiden, welcher Anteile der Rendite aus dem Vermögen und welche aus dem Sparbetrag kommen. Denn mit steigendem Vermögen wird der Anteil der Sparbeiträge geringer, wenn die Beträge nominal gleich bleiben. Damit sinkt aber die Vermögensrendite inklusive des Sparens und das ist nicht gut, weil höher eben besser ist. Die Aktien schneiden in dem Beispiel übrigens am besten ab, Fonds mit leichtem Vorteil gegenüber der Direktinvestition.

  Festgeld Aktien Fonds Immobilien
Sparquote 9,5% 16,2% 10,0% 15,6%
Vermögensrendite 0,0% 3,0% 6,0% 1,0%
Vermögensrendite inkl. Sparen 4,5% 8,3% 9,0% 6,0%
Advertisements