Es ist eine verlockende Überlegung: Wie viel Geld müsste ich haben, damit ich nicht mehr arbeiten muss? Im Prinzip ist die Zahl recht einfach zu berechnen. Die monatlichen Ausgaben mit der restlichen Lebenszeit multipliziert und schon steht die Zahl auf dem Papier. Aber leider nur auf dem Papier und nicht auf dem Bankkonto. Dies führt aber zu einigen Konsequenzen und am wahrscheinlichsten ist, dass Du eben nicht vor Deinem Rentenalter aufhören wirst zu arbeiten.

Der erste Grund ist, dass Dein Lebensalter nicht bekannt ist und es verdammt gefährlich ist, wenn das Geld zur Neige geht, aber noch viel Leben kommt. So schön die Lebenszeit auch ist, irgendwas zum Leben sollte ebenfalls da sein. Also mit einem Puffer rechnen und mehr Zeit vorsehen. Leider wird es damit nicht leichter, sondern schwerer, weil die Zahl noch höher wird. Andererseits ist noch keine Verzinsung eingerechnet, was die Zahl wiederum deutlich senken könnte.

Aber mit welcher Verzinsung sollte gerechnet werden? Bei aktuellen Zinsen ist 0% vermutlich nicht einmal so falsch, wo bei über lange Laufzeiten schon 1-2% zu erzielen sind. Dadurch sinkt der Betrag, aber nicht großartig. Mit Aktien sind sicherlich andere Renditen möglich, aber ein Crash sollte nicht zur falschen Zeit kommen. Wer das Risiko zu gehen bereit ist, dessen Zahl sinkt deutlich und der Ruhestand rückt in greifbare Nähe.

Aber dann geht es los. Egal welche Zahl auch immer jetzt auf dem Papier steht, sie muss angespart werden. Das ist nicht leicht und wieder stellt sich die Frage nach dem Risiko und der Rendite. Für welchen Weg Du Dich am Ende auch entscheidest, es werden vermutlich och ein paar Jahre zwischen Dir und dem Ruhestand stehen. Das ist kein Problem, wenn Du noch jung bist, sonst wird der Ruhestand wohl nicht mehr als 5-10 Jahre vorgezogen werden können. Selbst dann noch am ehesten, wenn der Arbeitgeber großzügige Übergangsregelungen unterstützt.

Bist Du jedoch noch jung und der Zeitpunkt des so prognostizierten Renteneintritts liegt über ein Jahrzehnt in der Zukunft, so werden sich Deine Lebenshaltungskosten vermutlich noch erhöhen. Mit jeder Erhöhung steigt jedoch die Zahl an, vermutlich sogar schneller als Du Dich ihr entgegensparen kannst. Statt näher rückt der Zeitpunkt daher immer weiter in die Ferne. Der passende Spruch dazu ist immer, dass man sich auch ab und an etwas gönnen sollte.

Aber eine Erhöhung der Zahl darfst Du auf keinen Fall vornehmen. Das wäre das Ende der Planung und Du würdest ganz sicher nie mehr in den Genuss eines vorzeitigen Ruhestandes kommen. Das bedeutet, dass Du ab dem Zeitpunkt, ab dem Du anfängst für den vorzeitigen Ruhestand zu sparen, kürzer trittst. Gedanklich musst Du Dir diese Entscheidung treffen und zwar genau so hart, sonst wird dieser Moment nicht kommen. Du musst also damit leben, dass andere größere Autos fahren, teurere Reisen machen oder ein schöneres Haus haben, dafür hast Du nur mehr freie Zeit und weniger Stress im Beruf.

Dies ist nicht verwunderlich, weil Du auch Jahre nicht mehr arbeitest und dieses fehlende Einkommen eben irgendwo auftauchen muss. In unserem Fall ist es die Differenz zwischen dem möglichen Lebensstil bei weiterer Arbeit und einem früheren Ruhestand. Wenn Dein Nettoeinkommen 35.000 € ist und Du 20 Jahre früher aufhören möchtest, dann verzichtest Du auf 700.000 €, ohne Zinseffekte gerechnet. Diesen Betrag zu haben oder nicht macht schon einen gewaltigen Unterschied aus, aber 20 Jahre Freizeit sind auch nicht schlecht.

Das Fazit muss also sein. Wenn Du früher aufhören willst, rechne Dir aus, wie viel Geld Du dafür brauchst. Anschließend ändere Deinen Lebensstil und diese Zahl nicht mehr, damit Du sie möglichst frühzeitig angespart hast. Dann genieße die freie Zeit und Dein Leben, im Kreise der Familie oder wie Du es Dir sonst vorstellst. Wenn Du die Zahl anfängst nach oben anzupassen, wirst Du mit Sicherheit nie den Zeitpunkt erreichen, oder höchstens ein paar wenige Jahre. Aber das wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht das sein, was Du Dir zu Beginn vorgestellt hast.

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