Ich lese im Internet viel über Strategien hinsichtlich ausgeschütteten Dividenden. An manchen Stellen wir die Dividende als Qualitätskriterium für Aktien verwendet, an anderer Stelle in Verbindung mit dem eigenen benötigten Mittelzufluss. Was mir beim Thema Dividenden sofort in den Sinn kommt ist die steuerliche Komponente, weil ein Geldfluss eben Steuern auslösen kann, während dies bei einer Wertsteigerung zunächst nicht der Fall ist.

Daher würde ich Dividenden zunächst aus Sicht eines Unternehmens betrachten. Ein Unternehmen verfügt über liquide Mittel, für welche es keine Verwendung hat und schüttet diese deshalb an die Aktionäre aus. Dies ist verwunderlich, weil vermutlich jeder Unternehmer und dementsprechend jedes Unternehmen unzählige Ideen hat, mit welchen noch viel mehr Geld verdient werden könnte. Insofern wird es nicht einzig an der Verwendung der Mittel liegen, sondern zusätzlich an dem daraus erzielten Ertrag oder anderen Punkten.

Welchen Vorteil aber sollte ein Unternehmen welches eine Dividende ausschüttet gegenüber einem anderen haben, welches nicht ausschüttet, aber ansonsten gleich ist? Es würde doch nur bedeutet, dass letzteres Unternehmen die Mittel eben noch verwenden kann und daraus eine Rendite erwartet, welche mindestens der eigenen Rendite entspricht. Denn nur in diesem Fall steigt die Rendite und das Unternehmen wird attraktiver. Fällt die Rendite jedoch, dann wird der Wert des Unternehmens sinken, weil es eben nicht mehr so attraktiv wie vorher ist.

Jetzt kann zusätzlich die durchschnittliche Rendite des Marktes mit in die Überlegungen einbezogen werden. Liegt die Rendite aktuell darüber, ändert sich nichts an der Betrachtung. Liegt sie jedoch darunter, so kann durchaus die Situation vorliegen, dass eine Investition die Rendite steigert, diese aber dennoch unterhalb des Marktes liegt. In dem Fall wäre es tatsächlich besser, die freien Mittel am Markt anzulegen und nicht in Projekte oder Geschäftsfelder zu investieren, welche eine geringere Rendite erwarten lassen. Dies spräche dann jedoch insgesamt gegen das Unternehmen, auf keinen Fall jedoch für einen Kauf von Anteilen aufgrund der ausgeschütteten Dividende.

Aus diesem Grund ist die Ausschüttung von Dividenden nach meiner Ansicht auch kein Qualitätskriterium, welches für den Kauf einer Aktie spricht. Ebenso wie bei einem Fonds bevorzuge ich die thesaurierende Variante, weil ich mein Geld anlege, damit es von den Personen vermehrt wird, denen ich es anvertraue und nicht die es mir in kleinen Tranchen zurückgegeben. Mir ist durchaus bewusst, dass es für ein Unternehmen spricht, wenn es überhaupt eine Dividende auszahlen kann oder dies womöglich bereits seit Jahren in steigender Höhe schafft. Aber dennoch spricht dies es für die Vergangenheit und nicht die Zukunft.

Bei der Anlage am Aktienmarkt, sofern diese nicht der Spekulation dient, geht es um langfristige Unternehmensbeteiligungen, gerade beim Value-Ansatz. Ein Unternehmen, in welches investiert wird, so in Zukunft mehr wert sein. Dafür muss es jedoch wachsen und Wachstum kostet einfach Geld, welches investiert werden muss. Dabei geht es mir jetzt nicht um die Abgrenzung zu Wachstumsunternehmen, welche zum Teil sogar unprofitabel sind und erst später profitabel werden wollen. Ich würde diese Unterscheidung ignorieren und mich einzig und alleine bei der Bewertung eines Unternehmens auf den zukünftigen Wert konzentrieren. Dieser hängt davon ab, welchen Wert das Unternehmen schafft und wie es diesen Wert in Erträge umwandeln kann.

Benötige ich 1.000 € im Monat um meine Ausgaben zu decken und habe keine andere Einkommensquelle, so bieten es sich an, ausgeschüttete Dividenden nicht erneut zu investieren und vielmehr dafür zu verwenden. Aber dies führt am Thema vorbei, denn bei der erstmaligen Anlage sollte die Rendite höher priorisiert sein, als die Dividende. Anders ausgedrückt, wenn ich bei der Investition die Wahl zwischen zwei Unternehmen habe, dann sollte ich das wählen, welches mir eine höhere Rendite in der Zukunft verspricht, unabhängig von der zu erwartenden Höhe der Ausschüttung.

Zwei Unternehmen sind schwer zu vergleichen und werden vermutlich nie exakt identisch sein, daher hilft vielleicht ein Vergleich mit Anleihen. Wenn der Staat als Schuldner drei Anleihen begeben würde oder hat, welche exakt gleich rentieren, eine jedoch eine Nullkuponanleihe ist, eine zu aktuellen Zinsen rentiert und eine darüber, welche würdest Du dann kaufen? Im ersten Fall investierst Du und bekommt bei Fälligkeit alle Zinsen ausbezahlt, im zweiten Fall wird jährlich der heutige Zins ausgeschüttet und im letzten Fall zahlst Du einen höheren Preis, bekommst aber jährlich mehr ausgeschüttet. Vermutlich bist Du jetzt auch der Ansicht, dass es prinzipiell nur davon abhängt, welchen Geldfluss zu benötigst.

Ebenso kann es beim Kauf von Aktien sein, dass der gewünschte Geldfluss die Entscheidung beeinflusst. Dies hat jedoch zur Konsequenz, dass Du die verfügbare Auswahl einschränkst und dies geht höchstens mit einer reduzierten Rendite einher. Eventuell anfallende Steuern führen darüber hinaus zu einem Geldabfluss, welcher Dich zumindest von den Erträgen abkoppelt, welche bei in der Zukunft verschobenen Steuern noch für Dich gearbeitet hätte. Deswegen war Berkshire Hathaway in den letzten über 50 Jahren eine grandiose Investition, ohne eine Dividende ausgeschüttet zu haben.

Für mich spielt die Dividende daher überhaupt keine Rolle, zumal ich nicht zu den Personen gehöre, die den Markt mit einer überlegenden Aktienauswahl zu schlagen versuchen. Damit habe ich durch die Investition auch nicht das Problem der Stückelung, weil ich einen monatlich oder jährlich benötigten exakt so verkaufen kann. Dies mag ansonsten ein Punkt für Dividenden sein, wenn die Verkaufsgebühren in keinem Verhältnis stehen oder ein Verkauf in gewünschter Höhe nicht möglich ist. Aber für mich bei weitem nicht ausreichend, um die zuvor geschilderten Nachteile ausgleichen zu können. Deshalb gibt es für mich keine auf Dividenden basierende Strategie.

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