Es gibt verschiedene Möglichkeiten den Markt zu schlagen, also eine bessere Rendite zu erzielen. Vielleicht gelingt es, immer genau die Aktien auszuwählen, welche sich besser als der Markt entwickeln, oder zumindest so viele überdurchschnittliche gute Aktien, dass diese die unterdurchschnittlichen mehr als ausgleichen. Dies ist jedoch schwer, weil es sogar mehr Aktien gibt, welche sich unterdurchschnittlich entwickeln als umgekehrt. Dies muss so sein, weil sich eine Aktie durchaus verdreifachen kann, also den doppelten Wert hinzugewinnen, aber nur einmal ihren Wert verlieren.

Eine andere Möglichkeit wäre es, den Markt zu Hebeln, also mit Derivaten, Krediten oder anderen Konstrukten. Dabei spiel es keine Rolle, ob der Hebel 101% oder 200% ist, also der Wert eines Portfolios sich um 1% oder 100% stärker verändert als der Markt. Solange der Markt steigt, wird das Ergebnis daher immer über dem Markt sein, wenn der Markt fällt jedoch darunter. Außerdem wird der Hebel Geld kosten, so dass sich das Verhältnis weiter ins Negative verschiebt. Zuletzt ist es auch mit einem Risiko verbunden, weil bei einem Hebel von 200% schon bei einem Kursrückgang von 50% das  Geld komplett weg ist und damit auch jede Chance der Erholung.

Interessant ist, ob eine Veränderung der Vermögensaufteilung überhaupt als Möglichkeit in Betracht kommt. Denn letztlich werden dann unterschiedliche Märkte miteinander verglichen. Ist beispielsweise jemand zu 100% in einen Indexfonds auf den DAX investiert, verkauft dann jedoch alles um später zu günstigen Kursen wieder einzusteigen, so kann die Rendite über der des DAX liegen. Nüchtern betrachtet gibt es jedoch verschiedene Zeiträume mit unterschiedlichen Aktienquoten, weil diese eben 100%, dann 0% und zuletzt wieder 100% betragen haben. Die Rendite war bei 100% Investitionsquote exakt so hoch wie die des Index, Kosten nicht betrachtet, zwischenzeitlich jedoch hat die Anlageklasse Bargeld eine höhere Rendite als der Index erzielt.

Jegliche Art von Timing oder Abweichung vom gewählten Benchmark führt daher niemals zu einer Rendite oberhalb der des Marktes, sondern lediglich dazu, dass der Benchmark anders bestimmt werden muss. Dies ist auch der Grund, weshalb der Benchmark bei Produkten immer hinterfragt werden sollte, damit eben nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden.  Schlägt ein Fonds den S&P 500 und hält nur Aktien aus diesem Index, wäre er tatsächlich besser als der Markt. Ist jedoch eine Aktie aus dem DAX dabei, so müsste er einen Benchmark aus S&P 500 sowie DAX in den entsprechenden Anteilen schlagen.

Um den Markt in jedem Jahr zu schlagen führt daher kein Weg an der Auswahl vorbei. Die Gewinneraktien mit überdurchschnittlicher Kursentwicklung müssen also gegenüber dem Index eine höhere Gewichtung haben. Doch genau dort beginnt das Problem. Denn meistens kehrt sich das Verhältnis um, wenn der Markt dreht. Die Gewinner bei steigenden Märkten sind anschließend die Verlierer in fallenden Märkten. Dies führt dann allerdings dazu, dass aus der überdurchschnittlichen Rendite in steigenden Märkten eine unterdurchschnittliche Rendite in fallenden Märkten wird.

Insofern beträgt die Wahrscheinlichkeit den Markt in einem Jahr zu schlagen nach meiner Meinung ungefähr 50% beträgt. Je länger der Zeitraum wird, umso geringer wird die Wahrscheinlichkeit. Aufgrund der unglaublichen Anzahl an Akteuren im Markt kann es dennoch immer jemanden geben, dem es über einen gewissen Zeitraum gelungen ist, auf eine Fortsetzung in der Zukunft würde ich jedoch niemals wetten.

Zu betrachten sind nun noch Strategien, welche eine Outperformance über einen längeren Zeitraum als ein Jahr versprechen, allerdings durchaus mit einem oder mehreren Jahren dazwischen, in denen die Performance unter der des Marktes liegt. Hier ist jedoch gründlich zu prüfen, wie dieses Ergebnis zustande gekommen ist. Es könnte sein, dass die höhere Rendite nur in einem kürzeren Zeitraum vorlag, diese allerdings ausreicht um in jedem längeren Zeitraum noch eine höhere als der Markt vorweisen zu können. Ein wirklich gutes Investment lag dann nur in diesem kurzen Zeitraum vor, für die Zukunft lässt es nicht wirklich etwas erwarten.

Alternativ könnte das Ergebnis in steigenden Marktphasen immer über dem Markt liegen, in fallenden darunter. Hier liegt die Vermutung nahe, dass mit irgendeiner Form eines Hebels gearbeitet wird, wie vorher beschrieben. Dies wäre nicht das verhalten, welches ich suche, weshalb ich in diesem Fall ebenso von einer Nutzung der Strategie absehen würde. Bleibt die Strategie, die in steigenden Phasen schwächere Renditen in Kauf nimmt, in fallenden Märkten dagegen mit einer höheren Rendite aufwarten kann. Die wäre von mir bevorzugt, zumal ich nur einen Teil des Vermögens dafür nutzen würden und mit einem anderen wieder Marktrenditen erziele.

Eine solche Strategie könnte das Value-Investing sein. Wenn die Märkte steigen werden sich einzelne Positionen über ihren fairen Wert hinausbewegen, weshalb diese verkauft werden könnten. Die freiwerdenden Mittel können irgendwann jedoch nicht mehr investiert werden, weil sich aufgrund der generellen Marktbewertung keine geeigneten Werte mehr finden lassen. Durch den höheren Anteil an Bargeld wird die Rendite nicht mehr mit dem Markt mithalten. Korrigiert der Markt dann jedoch, kehrt sich der höhere Bargeldanteil in einen Vorteil um und die Rendite wird derjenigen des Marktes überlegen sein. Gleichzeitig steigt mit sinkenden Kursen die Wahrscheinlichkeit unterbewertete Werte zu finden und mit ihnen ebenfalls eine Überrendite zu erzielen.

Die Frage ist in diesem Fall, welche Phasen länger sind und ob die Überrendite die fehlende Rendite der anderen Zeiten mehr als kompensieren kann. In der Vergangenheit gab es eine überschaubare Anzahl an Fonds oder Investoren, denen dies gelungen ist. In wie fern diese Ergebnisse jedoch auf die Zukunft zu übertragen sind, ist bei der aktuellen Situation der aufgeblähten Vermögenswerte aufgrund der Finanzspritzen der Notenbanken in Folge der Finanzkrise schwer zu beurteilen. Aufgrund der geringen Zahl an Investoren warte ich noch auf eine Studie, die mehr Aufschlüsse dafür bietet.

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